Julia Keith

Gastautorin

Julia Keith schreibt seit 2010 auf ihrem Blog Beautyjagd über Naturkosmetik, denn ihr Herz schlägt für natürliche Inhaltsstoffe. Auch auf ihren Reisen entdeckt sie in Asien oder Europa spannende Beauty-Produkte.

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Wie lange dauert es, ein Kosmetikprodukt zu entwickeln?

21. März 2019

Julia Keith

Gastautorin

Neue Kosmetikprodukte zu entdecken, gehört zu den schönsten Aufgaben meines Berufs als Beauty-Bloggerin. Aber wie lange dauert es eigentlich, bis ein Produkt endlich im Laden steht? Ich habe Guylaine Le Loarer, die Leiterin der Forschung und Entwicklung bei ANNEMARIE BÖRLIND, dazu befragt und nehme euch mit für einen exklusiven Blick hinter die Kulissen.

Von der Idee bis zum Produkt im Regal, wie viel Zeit vergeht hier bei ANNEMARIE BÖRLIND?

Guylaine Le Loarer: Ein Produkt zu entwickeln dauert etwa neun bis zwölf Monate. Mein Team und ich legen los, wenn die Produktidee genau beschrieben worden ist. Bei aufwändigen Forschungsprojekten oder neuen Technologien kann der Prozess bis zu vier Jahre dauern.

Guylaine Le Loarer

Von wem kommen die Produktideen?

Guylaine Le Loarer: Das ist unterschiedlich. Oft gibt das Marketing dazu den Anstoß und hat einen aktuellen Produkttrend aufgespürt – oder aber der Vertrieb stellt eine Lücke im Sortiment fest. Genauso gut kann es auch sein, dass ich auf einer Rohstoffmesse oder bei einem Lieferanten einen interessanten, neuen Rohstoff entdecke. Erst vor einigen Wochen war ich bei einem unserer Rohstoff-Lieferanten in Guatemala zu Besuch. Da sind mir gleich mehrere Ideen für neue Produkte in den Kopf gekommen!

Immer wieder entwickeln und erforschen wir auch selbst einen neuen Rohstoff. Dann dauert es natürlich etwas länger, bis das Produkt fertig ist. Unter zwei Jahren ist das nicht möglich. Ein Beispiel dafür sind die Stammzellen der Schwarzwaldrose, die man in unserer Systempflegeserie ENERGYNATURE findet.

Immer wieder entwickeln und erforschen wir auch selbst einen neuen Rohstoff. Dann dauert es natürlich etwas länger, bis das Produkt fertig ist. Unter zwei Jahren ist das nicht möglich. Ein Beispiel dafür sind die Stammzellen der Schwarzwaldrose, die man in unserer Systempflegeserie ENERGYNATURE findet.

Was passiert, wenn die Produktidee steht und Sie anfangen können?

Guylaine Le Loarer: Sobald ich den Entwicklungsauftrag bekomme, starten wir mit der Erstellung der Formulierung für das Produkt. Dafür ist es wichtig zu wissen, zu welcher Serie das Produkt passen soll, für welchen Hauttyp es konzipiert wird oder welche Verpackung gewählt wird – denn davon hängt beispielsweise auch die Konservierung ab. Bis die neue Rezeptur steht, brauchen mein Team und ich bis zu 90 Versuche. Da unser gesamtes Unternehmen CSE-zertifiziert ist, entsprechen auch unsere Formulierungen selbstverständlich den Kriterien für Naturkosmetik. Diese Kriterien gehen über die europäische Kosmetikverordnung hinaus.

Ich teste oft auch gleich die ersten Entwürfe selbst. So war unsere erste Rezeptur für das neue Fruchtsäure-Peeling zu aggressiv. Es war eher für professionelle Kosmetikinstitute, jedoch nicht für die Kundin zu Hause geeignet. Deshalb wählte ich andere, natürliche Säuren, die wirksam, aber schonend für die Haut sind.

Anschließend prüfen wir die neue Formulierung drei Monate lang: Sie muss sowohl wärmere Temperaturen als auch Kälte aushalten – wie eben im Bad zu Hause auch. So kann es sein, dass wir die Rezeptur hier und da etwas nachjustieren müssen.

Werden dann die anderen Abteilungen wieder mit in die Produktentwicklung einbezogen?

Guylaine Le Loarer: Ja, der Austausch zwischen dem Marketing und Forschung und Entwicklung ist sehr wichtig! Die Abteilung Marketing koordiniert den gesamten Produktentwicklungsprozess. Das ist eine komplexe Aufgabe, denn es müssen viele verschiedene Stellen im Haus eingebunden werden. Schon am Anfang der Produktentwicklung wird beispielsweise der Vertrieb zur Idee befragt.

Im Haus wird das neue Produkt dann von ca. 40 Testpersonen bewertet, auch die Geschäftsführung testet mit. Die ausgefüllten Fragebögen gehen wir dann hier im Labor genau durch. Gerade beim Thema Duft gehen die Meinungen oft auseinander, das Empfinden von Düften ist eben sehr individuell.

Parallel dazu werden bereits die Qualitätssicherung und der Einkauf informiert: Das neue Produkt muss schließlich in einer Verpackung stecken. Gerade arbeiten wir übrigens an nachhaltigeren Verpackungslösungen, was mir sehr am Herzen liegt. Und auch die ausgewählten Rohstoffe für das neue Produkt müssen eingekauft und analysiert werden.

Und dann kommen die externen Checks dran?

Guylaine Le Loarer: Ja genau, es folgen nun die kosmetischen Belastungstests. Dabei wird getestet, ob das Produkt stabil ist und die Konservierung funktioniert. Von einem unabhängigen Institut wird außerdem die dermatologische Verträglichkeit des Produkts überprüft. Ebenso wichtig ist es, dass das Produkt eine nachgewiesene Wirkung hat. Wenn wir beim Beispiel des Fruchtsäure-Peelings bleiben: Hier wurde unter anderem die Unterstützung bei der Erneuerung der Haut nachweislich belegt.

Wo werden die Produkte hergestellt?

Guylaine Le Loarer: In unserem Labor können wir nur kleinere Mengen produzieren. Wir legen aber die Herstellungsvorschriften fest – also z. B. bei welcher Temperatur und wie lange die Creme gerührt werden muss.

Die Produkte selbst werden dann in unserer firmeneigenen Produktion gefertigt. Hierfür stimme ich mich etwa ein halbes Jahr vor Produktionsbeginn mit unserem Herstellungsleiter ab. Zu Verzögerungen bei der Produktentwicklung sollte es also möglichst wenig kommen. Sobald die Produkte vom Band laufen, wird jede produzierte Charge schließlich noch von unserer Qualitätssicherung überprüft, bevor die Produkte dann letztendlich an unsere Handelspartner ausgeliefert werden.

Die Produkte selbst werden dann in unserer firmeneigenen Produktion gefertigt. Hierfür stimme ich mich etwa ein halbes Jahr vor Produktionsbeginn mit unserem Herstellungsleiter ab. Zu Verzögerungen bei der Produktentwicklung sollte es also möglichst wenig kommen. Sobald die Produkte vom Band laufen, wird jede produzierte Charge schließlich noch von unserer Qualitätssicherung überprüft, bevor die Produkte dann letztendlich an unsere Handelspartner ausgeliefert werden.

Liebe Frau Le Loarer, ich danke Ihnen für das spannende Gespräch! Wenn die Leser dieses Blogbeitrags und ich in Zukunft ein neues Produkt im Regal stehen sehen, dann denken wir ganz sicher daran, wie lange hierfür im Labor bei ANNEMARIE BÖRLIND im Schwarzwald getüftelt wurde.